Regelwerk


I. Kampfrichter

Entscheidungen die das Kampfgeschehen betreffen sind durch den Kampfrichter zu treffen. Diese sind für die Kämpfer bindend und unanfechtbar. Nur der Kampfrichter besitzt die Befähigung einen Turnierteilnehmer während eines Kampfes zu disqualifizieren. Durch den Mattenrichter getroffene Entscheidungen können nicht überstimmt werden. Während des Kampfes wird der Kampfrichter durch den Zeitnehmer unterstützt.

Bei offensichtlichen Fehlentscheidungen des Kampfrichters hat der Veranstalter die Möglichkeit ihn von seinen Verpflichtungen zu entbinden und durch einen anderen Kampfrichter zu ersetzen.

Während des Kampfes befindet sich der Kampfrichter auf der Mattenfläche, lenkt die Kämpfer und vergibt Punkte. Der Kampfrichter ist zudem dafür verantwortlich, dass die Punktanzeige in Übereinstimmung mit seinen Entscheidungen geführt wird.

Der Mattenrichter hat dafür Sorge zu tragen, dass die Kontrahenten während des Kampfes nicht durch umstehende Personen, Zuschauer, Fotografen oder dergleichen behindert, gefährdet oder verletzt werden.

Zur Unterscheidung der Kontrahenten wird dem zuerst aufgerufenen Kämpfer durch den Kampfrichter ein grüner Gürtel zugewiesen (für den Fall, dass beide Kämpfer einen Gi mit der gleichen Farbe tragen). Der Kampfrichter positioniert diesen Kämpfer zu seiner rechten Seite. Der andere Kämpfer stellt sich auf der linken Seite des Kampfrichters auf.

Des Weiteren überprüft der Kampfrichter die Kleidung der Kämpfer und die Einhaltung der Hygienebestimmungen. Nach einer Begrüßung eröffnet der Kampfrichter den Kampf mit dem Ausruf „Fight“.

Während des Kampfes hat der Kampfrichter dafür zu sorgen, dass die Kontrahenten sich im zentralen Bereich der Matte aufhalten. Befinden sich etwa 2/3 des Körpers eines Kämpfers außerhalb der Kampffläche, ruft der Mattenrichter „Stop“. Nach Ausruf dieses Kommandos müssen die Kämpfer in ihrer derzeitigen Position verharren. Um die beiden Kämpfer in die Mattenmitte zurückzuziehen kann der Kampfrichter durch den Zeitnehmer unterstützt werden.
Gelingt ihnen dies nicht, werden die Kämpfer durch den Kampfrichter aufgefordert sich eigenständig zur Mattenmitte zu bewegen und dort die zuvor aufgelöste Kampfposition wieder einzunehmen. Nachdem die Kämpfer ihre Position eingenommen haben wird der Kampf durch den Ausruf „Fight“ vom Kampfrichter fortgesetzt.

Das Betreten der Mattenfläche durch ärztliche Betreuer oder Rettungskräfte liegt im Ermessen des Mattenrichters.

Das Ende der Kampfzeit wird durch den Zeitnehmer signalisiert. Diesbezüglich verständigt er den Mattenrichter umgehend mittels eines optischen oder akustischen Signals.

Nachdem der Zeitnehmer das Ende des Kampfes signalisiert hat, besteht für den Kampfrichter noch die Möglichkeit, einen Vorteil an denjenigen Kämpfer zu vergeben, der bemüht war eine Aufgabetechnik zu erzielen bzw. der versuchte eine dominante Position einzunehmen, diese aber nicht für die geforderte Zeitdauer (3 Sekunden) halten konnte.
Von dieser Regelung ausgenommen sind Würfe, da bei erfolgreicher Ausführung bereits 2 Punkte vergeben werden, ohne das hierfür die Einnahme einer dominanten Position erforderlich wird.

Handzeichen des Kampfrichters

Punkte werden vom Kampfrichter durch Handzeichen angezeigt. Zur eindeutigen Vergabe der Punkte trägt der Kampfrichter an seiner rechten Hand ein farbiges (grünes) Handgelenksband. Punkte die an den Kämpfer mit dem grünen Gürtel oder dem Träger des farbigen (blauen) Kimonos vergeben werden sollen, werden mit dieser Hand angezeigt. Mit der anderen Hand werden die Punkte des Kontrahenten angezeigt.

Takedowns, Sweeps, Knee on Belly: 2 Punkte

Passing the Guard: 3 Punkte

Front Mount, Back Mount, Back Grab: 4 Punkte

Verwarnung: Der Kampfrichter schließt seine Hände zur Faust und dreht sie auf Brusthöhe übereinander nachdem er mit der Hand die Farbe des zu bestrafenden Kämpfers signalisiert hat. Gleichzeitig wird dem Kontrahenten ein Vorteil zugesprochen.

Vorteil: Hierzu bewegt der Kampfrichter die entsprechende Hand, ausgehend von seiner Brust, parallel zur Schulterhöhe nach außen bis der Arm gestreckt ist.

Kampfunterbrechung: Durch gleichzeitiges Ausstrecken beider Arme auf Schulterhöhe wird eine Unterbrechung des Kampfes angezeigt

Unterbrechung der Zeit während des Kampfes: Hierzu formt der Kampfrichter mit seinen Händen ein „T“ und signalisiert dadurch dem Zeitnehmer die Uhr anzuhalten.

Disqualifikation: Sie erfolgt durch das Kreuzen der Unterarme auf Gesichtshöhe. Im Anschluss zeigt der Kampfrichter auf denjenigen Kämpfer der disqualifiziert wird.

Zurücknahme von Punkten: Mit der gleichen Hand, mit der zuvor Punkte vergeben wurden, führt der Kampfrichter eine Winkbewegung aus und signalisiert somit die Rücknahme der vergebenen Punkte.

II. Kampfentscheid

Ein Kampf kann auf folgende Weise entschieden werden:

1. Aufgabe
2. Punkte
3. Vorteil
4. Disqualifikation
5. Bewusstlosigkeit

1. Aufgabe: Ein Kampf wird durch Aufgabe entschieden, wenn ein Kämpfer aufgrund einer regelkonformen Technik gezwungen ist, seine Niederlage anzuzeigen. Dies erfolgt durch:

a) sichtbares Abklopfen mit der Handfläche am Gegner oder auf der Mattenfläche

b) sichtbares Abklopfen mit dem Fuß auf der Mattenfläche (wenn der Athlet seine Hände hierzu nicht benutzen kann)

c) verbale Aufgabe (an den Kampfrichter gerichtet), wenn es dem Kämpfer nicht möglich ist durch Abklopfen mittels Hand oder Fuß seine Aufgabe anzuzeigen

d) Antrag auf Beendigung des Kampfes (an den Kampfrichter gerichtet), wenn der Kämpfer sich verletzt hat oder sich aus einem anderen Grund nicht in der Lage fühlt, den Kampf fortzusetzen.

Weiterhin kann ein Kampf aufgrund folgender Entscheidungen vorzeitig beendet werden:

e) gelangt der Kampfrichter zu der Überzeugung, dass eine angesetzte Aufgabetechnik bei vollständiger Ausführung zu einer Verletzung des unterlegenen Kämpfers führen könnte, kann er den Kampf vorzeitig beenden und den Initiator der Aufgabetechnik zum Sieger erklären.

f) Der Trainer eines Kämpfers kann einen Abbruch des Kampfes erzwingen, indem er sich mündlich an den Kampfrichter wendet oder ein Handtuch auf die Matte wirft.

g) Wird ein Kämpfer mit einer Aufgabetechnik unter Druck gesetzt und beginnt dabei zu schreien, indiziert dies eine verbale Aufgabe und der Kampf wird abgebrochen.

h) Der Kampfrichter kann einen Kampf beenden, wenn ein Kämpfer sich verletzt hat oder eine medizinische Untersuchung ergibt, dass der Sportler den Kampf nicht fortsetzen kann. In diesem Fall geht der Sieg an den Kontrahenten, solange die Verletzung nicht auf eine Handlung zurückzuführen ist, die eine Disqualifikation zur Folge hat.

i) Fordert ein Kämpfer die kurzfristige Unterbrechung des Kampfes aufgrund eines Krampfanfalles, ist dies wie eine Aufgabe zu werten.

2. Punkte

4 Punkte - Mount, Back Mount, Back Grab
3 Punkte - Passing the Guard
2 Punkte - Takedowns, Sweeps und Kee on Belly
-1, -2... - Verwarnungen
1, 2, 3... - Vorteile

Gelingt es während des Kampfes keinem der Kontrahenten seinen Gegner durch eine Aufgabetechnik zu bezwingen, wird der Sieg nach folgenden Kriterien entschieden: Punkte, Vorteile, Verwarnungen. Im Falle eines Unentschieden übernimmt der Kampfrichter die Entscheidung über den Sieg.

2.1 Positive Punkte

Ändert ein Kämpfer seine Position, für die er bereits Punkte erhalten hat, geringfügig ab, um anschließend in die gleiche Position zurückzukehren, so werden für diese Aktion keine weiteren Punkte vergeben.
(Beispiel: Kontrolliert ein Kämpfer seinen Kontrahenten in der Knee on Belly Position und wechselt anschließend auf die andere Seite in die Knee on Belly Position, werden lediglich 2 Punkte für die erste Aktion vergeben.)

Gelangt ein Kämpfer in eine dominante Position und wird in diesem Moment vom Kontrahenten mit einer Aufgabetechnik attackiert, so erhält er erst dann eine Punktwertung, wenn die Aufgabetechnik vollständig verteidigt wurde.
(Beispiel: Kämpfer A gelangt in die Mount Position und wird dabei von Kämpfer B mit einer Guillotine angegriffen. Kämpfer A erhält erst dann die 4 Punkte für die Mount Position, wenn er seinen Kopf aus der Umklammerung gelöst hat, d.h. erst bei erfolgreicher Verteidigung der Würgetechnik.)

a) Takedowns

Bringt ein Kämpfer seinen Kontrahenten durch einen Takedown zu Boden, wobei dieser auf dem Rücken, der Seite oder in einer sitzenden Position landet, so erhält der Werfende 2 Punkte unter Berücksichtigung folgender Voraussetzung:

Der Kämpfer befand sich zu irgendeinem Moment des Takedowns in stehender Position und mit beiden Füßen auf dem Boden. Nach Durchführung des Takedowns hindert der Werfende seinen Kontrahenten für 3 Sekunden daran, wieder aufzustehen (er selbst muss dabei in der Oberlage bleiben).

Beobachtung 1: Endet der Takedown außerhalb der Kampffläche, jedoch noch innerhalb der Sicherheitszone, und stand der Werfende während der Ausführung mit beiden Füßen in der Kampffläche, so erhält er die Punkte für den Takedown.

Beobachtung 2: Kniet der Kontrahent mit einem oder mit beiden Beiden auf dem Boden, so erhält der Kämpfer nur dann die Punkte für den Takedown, wenn er sich während der Ausführung in stehender Position und mit beiden Füßen auf dem Boden befindet.

Beobachtung 3: Landet der Werfende im Anschluss an einen Takedown in der Guard des Gegners und wird unmittelbar danach durch einen Sweep in die Unterlage gebracht, so erhält er einen Vorteil für den Wurfansatz und der Kontrahent 2 Punkte für den Sweep.

Beobachtung 4: Befindet sich ein Kämpfer nach der Ausführung eines Wurfes in Unterlage erhält er einen Vorteil für den Wurf, sein Kontrahent in Oberlage erhält ebenso einen Vorteil.

Beobachtung 5: Setzt sich einer der Kämpfer aus dem Stand ab, um seinen Kontrahenten in die Guard zu ziehen und der stehen gebliebene Kämpfer greift in diesem Moment das Bein des Gegners bzw. führt zusätzlich eine fegende Bewegung mit dem Fuß aus, so wird dies als Takedown gewertet.

b) Passing the Guard

Gelingt es einem Kämpfer die Beine seines Gegners zu passieren (hierzu zählen alle Formen der Guard) und nimmt er anschließend eine seitliche Kontrollposition ein, in der es dem Gegner für mindestens 3 Sekunden nicht möglich ist sich zu bewegen oder aus der Position zu entkommen, erhält er 3 Punkte.
(Hinweis: Gelingt es dem Kämpfer in Unterlage, den Angriff (das Passieren der Guard) abzuwehren, indem er auf die Knie gelangt, aufsteht oder ein Bein des Kontrahenten einfängt (Halfguard), kann dem Angreifer lediglich einen Vorteil zugesprochen werden.)

c) Knee on the Belly

Der Kämpfer in Oberlage muss ein Knie auf dem Bauch des Gegners positionieren und dabei dessen Oberkörper kontrollieren (z.B. Ärmel und Gürtel greifen). Das freistehende Bein muss in Richtung des gegnerischen Kopfes ausgerichtet sein und der Fuß auf der Matte aufgestellt sein. Wenn diese Position für 3 Sekunden gehalten wird erhält der Kämpfer 2 Punkte.

Beobachtung: Kann der unterlegene Kämpfer seine Position verteidigen, indem er nicht zulässt, dass der Kämpfer in Oberlage die Knee on Belly Position vollständig ausführt, kann der Angreifer einen Vorteil erhalten.

d) Mount / Backmount

Kann ein Kämpfer für mindestens 3 Sekunden eine sitzende Position auf dem Oberkörper des Kontrahenten einnehmen, unabhängig davon, ob dieser sich in Bauchlage, in einer seitlichen Position oder in Rückenlage befindet, wird dies als Mount angesehen und mit 4 Punktengewertet.

Beobachtung 1: Der Kämpfer in Oberlage kann dabei auf einem Arm des Kontrahenten sitzen, jedoch nie auf beiden Armen.

Beobachtung 2: Die Knie bzw. Füße des Kämpfers in Oberlage müssen auf der Mattenfläche aufliegen oder bei den gegnerischen Beinen eingehakt sein. Wenn der unten liegende Kämpfer mit seinen Beinen einen Fuß des oben Liegenden umklammert ist die Mount Position nicht vollständig erreicht und es werden keine Punkte vergeben.

Beobachtung 3: Attackiert der unten liegende Kämpfer seinen Kontrahenten mit einer Triangle (Würgetechnik mit den Beinen) und dreht er diesen im weiteren Verlauf, so dass er sich anschließend in Oberlage befindet, handelt es sich um einen Sweep. Diese Aktion wird mit 2 Punkten gewertet. In diesem Fall werden keine Punkte für eine Mount Position vergeben.

e) Back Grab

Der Angreifer befindet sich im Rücken seines Kontrahenten und umschließt diesen mit beiden Armen zur Kontrolle des Oberkörpers. Gleichzeitig muss die gegnerische Hüfte mit beiden Beinen umschlossen und die eigenen Fersen jeweils auf der Innenseite der gegnerischen Oberschenkel positioniert werden. Der Kämpfer erhält 4 Punkte wenn er die Position 3 Sekunden lang hält.

Beobachtung 1: Hierbei kann ein Arm des Gegners mit dem eigenen Bein eingeschlossen sein. Keine Wertung erfolgt hingegen, wenn beide Arme des Gegners mit den Beinen umschlossen sind.

Beobachtung 2: Erfolgt die Kontrolle des Back Grab durch ein Überkreuzen der Füße oder eine Triangle mit den Beinen kann keine Wertung vergeben werden.

f) Sweep

Ein Sweep kann aus jeder Form der Guard erfolgen (Closed Guard, Spiderguard, Halfguard etc.) und wird mit 2 Punkten gewertet. Hierbei muss der unten liegende Kämpfer die Position umkehren, so dass er sich anschließend in Oberlage befindet.

Beobachtung 1: Eine Wertung erfolgt nur, wenn der Sweep aus der Guard oder aus der Halfguard ausgeführt wurde, d.h. wenn mindestens ein Bein zur Durchführung der Technik beigetragen hat.

Beobachtung 2: Gelingt es dem Angreifer während eines Sweep-Versuches den Rücken des Gegners einzunehmen (z.B. durch einen Armdrag aus der offenen Guard) erhält er 2 Punkte wenn er die Position 3 Sekunden lang halten kann.

Beobachtung 3: Wenn bei einem Sweep-Versuch beide Kämpfer aufstehen und derjenige, der den Sweep initiiert hat anschließend einen Takedown durchführt und in der Oberlage verbleibt, wird dies mit 2 Punkten belohnt.

Beobachtung 4: Attackiert der unten liegende Kämpfer seinen Kontrahenten mit einer Triangle (Würgetechnik mit den Beinen) und dreht er diesen im weiteren Verlauf, so dass er sich anschließend in Oberlage befindet, handelt es sich um einen Sweep. Diese Aktion wird mit 2 Punkten gewertet. In diesem Fall werden keine Punkte für eine Mount Position vergeben.

2.2 Negative Punkte (Verwarnungen)

Verwarnungen können an einen Kämpfer gerichtet werden, wenn dieser einen Regelverstoß (Foul) im Sinne dieses Regelwerks begeht, den Zweikampf bewusst vermeidet (Stalling) oder nicht bestrebt ist, den Kampf durch Aufgabe zu beenden.

Unter Stalling versteht man, wenn ein Kämpfer absichtlich dem Zweikampf ausweicht (z. B. durch ein Halten des Gegners), ohne dabei Bemühungen zu zeigen, den Kampf durch Sweeps, Passieren der Guard oder Aufgabetechniken aktiv zu gestalten.

Nach der mündlichen Aufforderung „Fight“ und einem auffordernden Handzeichen durch den Kampfrichter, wird das Kampfgeschehen für etwa 20 Sekunden beobachtet. Gelangt der Kampfrichter nach dieser Zeit zu der Überzeugung, dass einer der beiden Kontrahenten keine sichtbaren Bemühungen unternimmt sich dem Zweikampf zu stellen, wiederholt er die mündliche Aufforderung „Fight“. Gleichzeitig erhält der sich dem Zweikampf verweigernde Kämpfer eine Verwarnung. Der am Kampfgeschehen beteiligte Kämpfer erhält einen Vorteil.
Behält der bereits verwarnte Kämpfer im weiteren Verlauf sein Verhalten bei und beteiligt sich nicht aktiv am Kampf, unterbricht der Kampfrichter den Kampf durch den Ausruf „Stopp“ und gibt dem passiven Kämpfer erneut eine Verwarnung. Gleichzeitig erhält der Kontrahent einen Vorteil in Form von 2 Punkten. 
Im Anschluss wird der Kampf im Stand fortgesetzt.
Bei einem erneuten Regelverstoß hat der Kampfrichter die Möglichkeit, diesen Kämpfer aufgrund der beiden vorausgegangenen Verwarnungen, zu disqualifizieren.

Vergleiche Kapitel 4 (Disqualifikation) für weitere Informationen.

3. Vorteile

Ist ein Kämpfer sichtlich bemüht, eine regelkonforme Technik (z. B. Takedown, Sweep, Aufgabetechnik, Passieren der Guard) anzuwenden ohne dass es ihm jedoch gelingt diese erfolgreich abzuschließen, kann ihm für die Bemühungen ein Vorteil erteilt werden.
Der Kontrahent muss dabei sichtbar in Bedrängnis geraten und eine nicht unerhebliche Energie aufwenden, um die Technik abzuwenden.

Befinden sich beide Kämpfer in einer Closed Guard Position ergeben sich folgenden Regelungen:

a) Zeigt der Kämpfer in Oberlage ein Verhalten, aus dem deutlich hervorgeht, dass er die Guard seines Kontrahenten passieren möchte, oder gelingt es ihm, auf den Gegner einen derartig starken Druck auszuüben, so dass dieser gezwungen ist mit aller Kraft seine Position zu verteidigen (z. B. aus der Closed Guard in die Halfguard wechseln, um die eigene Position zu halten), wird dies mit einem Vorteil gewertet.

b) Kann der Kämpfer in Unterlage seinen Kontrahenten durch einen Sweep fast vollständig in die Unterlage bringen, ihn anderweitig in eine unvorteilhafte Position zwingen oder eine Aufgabetechnik anwenden, die vom Gegner eine Verteidigung abverlangt, erhält er einen Vorteil.
(Hinweis: Für den Sweep-Versuch wird gefordert, dass derjenige der den Sweep ausführt seine Beine öffnet).

Vorteile können während das Stand- oder Bodenkampfes für Aktionen vergeben werden, bei denen der Kämpfer mit Entschlossenheit versucht, regelkonforme Techniken (Sweeps, Takedowns etc.) durchzuführen. Wenn der Kämpfer zeigt, dass er den Kampf größtenteils dominiert indem er seinen Kontrahenten in die Defensive drängt, kann ebenso ein Vorteil vergeben werden.

4. Disqualifikation

4.1. Schwerwiegende Regelverstöße

Wird durch einen Kämpfer eine der unter den Punkten a) bis f) beschriebenen Handlungen ausgeführt, erfolgt für diesen Kämpfer unwiderruflich die Disqualifikation und der Ausschluss vom gesamten Turnier.

a) Anwendung einer verbotenen Technik (siehe Kapitel „Einschränkungen“) und der damit gesteigerten Verletzungsgefahr für einen Kämpfer

b) Die Aussprache von beleidigenden Äußerungen, das Fluchen auf der Mattenfläche oder vergleichbare ehrverletzende Handlungen gegenüber dem Kampfrichter oder den am Turnier beteiligten Personen.

c) Treten, Schlagen, Beißen, an den Haaren ziehen, Finger in die Augen oder die Nasenöffnung des Gegners bringen („Fishhooking“), absichtliches Herbeiführen von Verletzungen im Genitalbereich sowie der Einsatz der Fäuste, Füße, Knie, Ellenbogen oder des Kopfes mit der Absicht, eine Verletzung beim Gegner herbeizuführen oder sich dadurch auf unfaire Weise einen Vorteil zu verschaffen.

d) Wird während des Kampfes der Kimono (bestehend aus Oberteil und Hose) eines Kämpfers beschädigt, ist dieser verpflichtet für Ersatz zu sorgen. 
Für den Wechsel seiner Kleidung wird dem Kämpfer eine angemessene Zeit (wenige Minuten) zur Verfügung gestellt. Kann in dieser Zeit keine entsprechende Ersatzkleidung organisiert werden, wird der Betroffene vom Wettkampf disqualifiziert.
(Hinweis: Für den Fall dass sich während des Wettkampfes die Kimono-Hose löst, hat der Kämpfer eine Unterhose o. Ä. darunter zu tragen)

e) Bei Anwendung einer Aufgabetechnik, muss der Kämpfer seinem Gegner die Möglichkeit bieten, den Kampf durch Aufgabe (Tap) zu beenden. Wird diese Möglichkeit durch den Kämpfer nicht gewährt, in dem er eine Aufgabetechnik ruckartig und unkontrolliert ausübt, erfolgt die Disqualifikation.

f) Gleichfalls wird ein Kämpfer disqualifiziert, wenn er sich einer korrekt angesetzten Aufgabetechnik durch Mattenflucht entzieht. Es handelt sich hierbei um ein technisches Foul und nicht um einen schwerwiegenden Regelverstoß. Der Kämpfer ist somit für den bereits laufenden Wettkampf gesperrt, kann aber im weiteren Verlauf des Turniers erneut in einer Gruppe antreten (z.B. Open Class).

4.2. Leichte Regelverstöße / Verwarnungen

- Beim ersten Regelverstoß erhält der Zuwiderhandelnde eine mündliche Verwarnung
- Beim zweiten Regelverstoß wird dem Kontrahenten ein Vorteil zugesprochen
- Wird ein dritter Regelverstoß begangen, erhält der Kontrahent 2 Punkte
- Folgt nach dem dritten Regelverstoß ein weiterer, obliegt es dem Mattenrichter den Kämpfer vom Wettkampf zu disqualifizieren

Verwarnungen können für folgende Zuwiderhandlungen ausgesprochen werden:

a) Der Kämpfer darf erst in eine kniende Position wechseln, nachdem er den gegnerischen Gi oder Körper ergriffen hat.

b) Wenn ein Kämpfer die Kampffläche durch Hinauskriechen, Hinausrollen oder Hinaustreten verlässt, um den Zweikampf zu vermeiden bzw. um Zeit zu gewinnen.

c) Wenn der eigene Kimono absichtlich vom Körper gelöst wird oder wenn ein Kämpfer dies durch den Kontrahenten zulässt, um dadurch eine Kampfunterbrechung herbeizuführen, die es ihm ermöglicht sich zu erholen oder einen gegnerischen Angriff abzuwenden.

d) Wenn der Kämpfer mit seinen Fingern in die Innenseite des gegnerischen Ärmels oder Hosenbeins greift. Gleiches gilt für das Ergreifen des gegnerischen Gürtels mit beiden Händen.

e) Wenn ein Kämpfer dem Kampf ausweicht, indem er seinen Gegner hält und keine Bemühungen unternimmt, den Kampf durch Sweeps, Passieren der Guard, Aufgabetechniken etc. aktiv zu gestalten.

f) Ein sofortiger Verlust von zwei Punkten erfolgt, wenn ein Kämpfer einen Sweep oder den Ansatz einer Aufgabetechnik durch Mattenflucht verhindert.

5. Bewusstlosigkeit

Verliert ein Kämpfer das Bewusstsein durch ein regelkonformes Belasten, Würgen oder Werfen bzw. aufgrund eines Unfalls, der nicht absichtlich durch den Kontrahenten herbeigeführt wurde, gilt der Kampf als verloren.

III. Einschränkungen

Der Kampfrichter kann jederzeit einen laufenden Kampf abbrechen, wenn er der Überzeugung ist, dass einem Kämpfer durch eine kurz vor der Vollendung stehende Aufgabetechnik eine erhebliche Verletzungsgefahr droht. In einem solchen Fall wird demjenigen Kämpfer der Sieg zugesprochen, der die Aufgabetechnik angesetzt hat.

Slams aus der Guard (Hochheben des Gegners aus der Guard mit einem absichtlichen auf die Matte Werfen desjenigen), Genickhebel, Bizepshebel, Scherenwürfe sowie Fersenhebel sind im gesamten Turnier verboten.

 

Ringer- bzw. Mattenschuhe (gilt nicht für Submission Wrestling), Kopfschützer, Shirts aller Art unter dem Gi (gilt nicht für weibliche Teilnehmer) sowie jegliche Schutzausrüstung, die einen entscheidenden Einfluss auf den Kampfverlauf und -ausgang haben können, insbesondere Genitalschützer, sind während des Wettkampfes verboten.

Übersicht verbotene Techniken

Nr.

Beschreibung

Weißgurt BJJ

Beginner SW

Blaugurt BJJ

Advanced SW

Elite Klasse
BJJ (
Violett-Braun- u. Schwarzgurt)

Elite Klasse SW

1

Quetschen von Nieren oder Rippen durch eine Beinumklammerung aus der Guard

2

Handgelenkhebel (wrist lock)

3

Wadenhebel (calf slicer)

4

Kniehebel (knee bar)

5

Toe Hold

6

Bizepshebel (biceps slicer)

7

Slam

8

Genickhebel ohne Würgetechnik

9

Fersenhebel (heel hook)

10

Hebel, die das Knie verdrehen

11

Druck auf das Knie des Kontrahenten ausüben, indem das eigene Bein von Außen über das Bein des Gegners nach Innen gebracht wird (bei geradem Fußhebel, X-Guard und 50-50 Guard)

12

Scherenwurf (scissor leg takedown)

13

Würfe auf das Genick des Kontrahenten

14

Bei geradem Fußhebel sich in Richtung des nicht attakierten Beines drehen

15

Druck nach außen bei Toe Hold

16

Zurückbiegen von Fingern

IV. Hygiene / Kleidung

Die Wettkampfbekleidung der Teilnehmer muss gewaschen und trocken sein bzw. darf keine unangenehmen Gerüche vorweisen.

Fuß- und Fingernägel müssen kurz geschnitten und sauber sein.

Teilnehmer mit langen Haaren müssen Vorkehrungen treffen, damit Behinderungen des Gegners oder der eigenen Person ausgeschlossen sind.

Das Einsprühen der Haare mit Farbe oder Sprays, sowie das Auftragen jeglicher Gleitsubstanzen (z.B. Vaseline oder Öl) auf den Körper, ist nicht gestattet. Verstöße können zu einer sofortigen Disqualifikation führen.

Verbände sind erlaubt, so lange sie nicht die Beweglichkeit von Gelenken in besonderem Maße einschränken.

Kimono (Brazilian Jiu-Jitsu)

Ein Kimono muss nachfolgende Anforderungen erfüllen:

  • Material aus Baumwolle oder aus vergleichbaren Materialien in gutem Zustand

  • Die Festigkeit des Stoffes muss so beschaffen sein, dass es den Gegner in seinen Aktionen nicht behindert. Beispielsweise darf die Dicke des Stoffes den Gegner nicht daran hindern, sich einen Griff am Kragen, Ärmel oder dem Rücken zu erarbeiten.

  • Der Kimono darf keine Risse und Beschädigungen aufweisen

  • Das Kimonooberteil muss eine entsprechende Länge aufweisen, damit die Hüften des Kämpfers bedeckt sind

  • Bei ausgestreckten Armen müssen die Ärmel des Kimonooberteils bis an die Handgelenke heranreichen

  • Gürtel müssen eine Breite von 4 bis 5 cm aufweisen und mit einem Doppelknoten das Kimonooberteil zusammenhalten. Die Farbe des Gürtels muss der Graduierung des Kämpfers entsprechen (z.B. im BJJ: Weiß, Blau, Violett, Braun, Schwarz).

  • Die Athleten dürfen weder Kopf- noch Tiefschutz tragen

Kleidung Submission Wrestling

  • Lange oder kurze Sporthose sowie Rashguard oder T-Shirt (Knöpfe, Reißverschlüsse o.Ä. an der Kleidung sind verboten) 

  • Das Kämpfen mit freiem Oberkörper ist nicht gestattet

  • Ringer- bzw. Mattenschuhe sind erlaubt

  • Die Athleten dürfen weder Kopf- noch Tiefschutz tragen

V. Gewichtsklassen

Die Kategorie Beginner / Weißgurt ist für Kämpfer geeignet, die über eine Trainingserfahrung von ca. 1 bis 2 Jahren verfügen und nur wenig Wettkampferfahrung besitzen. 
Ein Blaugurt im BJJ oder Luta Livre wird im Rahmen des Grapplefestes als ein erfahrener Kämpfer eingestuft und ist daher nicht befugt, in der Weißgurtklasse teilzunehmen. Ebenso muss ein Teilnehmer mit umfangreichen Vorkenntnissen aus vergleichbaren Kampfsystemen wie Ringen, Judo, Sambo oder MMA in der Blaugurt-Klasse, Advanced-Klasse oder Elite-Klassestarten.

Gewichtsklassen Brazilian Jiu-Jitsu

Weißgurt
Blaugurt 
Elite-Klasse (Violett-,Braun- und Schwarzgurt)

Männer: -64 kg / -70 kg / -76 kg / -82 kg / -88 kg / -94 kg / -100 kg / +100 kg

Frauen: -64 kg / +64 kg

Gewichtsklassen Submission Wrestling

Beginner
Advanced
Elite-Klasse

Männer: -61,5 kg / -67,5 kg / -73,5 kg / -79,5 kg / -85,5 kg / -91,5 kg / -97,5 kg / +97,5 kg

Frauen:  -61,5 kg / +61,5 kg


VI. Kampfzeit

Weißgurt BJJ / Beginner Submission Wrestling: 5 min

Blaugurt und Violettgurt BJJ / Advanced Submission Wrestling: 6 min

Elite-Klasse BJJ und Submission Wrestling: 7 min

Offene Klasse BJJ und Submission Wrestling: 5 min

VII. Sonstiges

Das Südwest Grapplefest ist ein Turnier das im Doppel KO System ausgetragen wird, die Offene Klasse BJJ und Submission Wrestling wird im einfachen KO System ausgetragen.

Gewichts- und/oder Leistungsklassen können in Abhängigkeit der Teilnehmerzahl zusammengeführt werden.

Sollten beide Kämpfer eines Finalkampfes verletzungsbedingt nicht weiterkämpfen können, gelten folgende Bestimmungen:

a) Sind bereits Punkte oder Vorteile vergeben worden bestimmen diese den Gewinner

b) Sind weder Punkte noch Vorteile erzielt worden, wird der Kampf unentschieden gewertet

Erscheint einer der beiden Finalkämpfer auch nach dreimaliger Aufforderung nicht auf der Mattenfläche, wird er disqualifiziert und sein Kontrahent zum Sieger erklärt.

Für das Tragen von Aufnähern auf dem Kimono gelten die Bestimmungen der IBJJF (www.ibjjf.org).